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50 Jahre anders
und Besonders

Vom Kloster zur intensivpädagogisch-therapeutischen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung

1618 – 1969: Historie des Franziskanerklosters

Das Franziskanerkloster wurde 1618 an einer Emsbiegung auf dem Gelände der alten Drostenburg errichtet. Es war eine Stiftung des Grafen Johann III. und seiner Gemahlin Sabina Katharina mit dem Ziel, die Bevölkerung nach 60 Jahren lutherischen Bekenntnisses zum katholischen Glauben zurückzuführen und diesen zu festigen.

In seiner wechselvollen Geschichte erfuhr das Kloster mehrfach Raub und Plünderung, blieb jedoch stets bestehen und existierte bis zur Gründung des Jugendwerk Rietberg.

Von der Idee zur Realität

Schon Jahre vor der Gründung des Jugendwerk Rietberg 1969 gab es Überlegungen und Bemühungen, für Kinder und Jugendliche ein „anderes“ Heim zu errichten.

Zu diesem Zwecke wurden viele Aktivitäten unternommen, um Geld für dieses Vorhaben zu sammeln. Dazu zählten Predigten und Kollekten in Gottesdiensten sowie die Aufführung von Theaterstücken durch Messdiener und andere Jugendgruppen.

Bereits im September 1963 fand eine erfolgreiche Aufführung des Stückes „Der gestiefelte Kater“ durch Ministranten in Erwitte statt, gefolgt von weiteren Aufführungen wie „Wir Burschen aus der Jungenstadt“ der KJG St. Elisabeth in Lippstadt in den Jahren 1966/67. Zusätzlich wurden Schuhputz- und Autowaschaktionen sowie andere Aktivitäten durchgeführt, um das Ziel zu erreichen.

Erste konkrete Pläne waren 1965 (Beschluss des BDKJ) schon vorhanden, ein Jugenddorf Bökenförde in dem Lippstädter Ortsteil zu errichten. Aus Mangel an einer geeigneten Immobilie wurde aber Ende der 60er Jahre hiervon Abstand genommen, stattdessen wurden Verhandlungen mit der Sächsischen Ordensprovinz aufgenommen zwecks Anmietung des Rietberger Franziskanerklosters; 1968 wurde dann der Mietvertrag unterzeichnet.

Unter der Leitung des BDKJ wurden nun alle Kräfte in dieses neue Projekt gesteckt. Das Klostergebäude wurde umgebaut, renoviert und für die Aufnahme von 60 Jungen vorbereitet. Die Eröffnung der von da an „Jugendwerk Rietberg“ genannten Einrichtung erfolgte dann am 15.07.1969, die ersten Jungen zogen ein und am 05.10.1969 erfolgte die Einweihung.

Schon bald waren 60 Plätze in vier Gruppen belegt. Träger der Einrichtung war der Verein Jugendwerk Rietberg e.V. Aufgrund des enormen Engagements junger Leute für diese Idee eines „anderen“ Heimes wurde es auch „Ein Werk der Jugend für die Jugend“ genannt. 

Herausforderung und Grenzen

Dem (Mit-)Gründer, Karl-Heinz Koch, war es wichtig, die Philosophie des Priesters und Pädagogen Father Flanagan in diesem Werk in die Tat umzusetzen, d. h. Individualisierung zu praktizieren.

Dadurch sollte jedes Individuum, also jedes Kind, zu Mündigkeit, Kooperationsfähigkeit, Verantwortlichkeit erzogen und somit zum Dienst an der Gesellschaft befähigt werden. Ziel war ebenfalls, eine familienähnliche Heim- und Heilerziehung zu praktizieren. Dies war in den schlimmen 1950er und 1960er Jahren in den deutschen Heimen undenkbar gewesen, wo nicht selten die „schwarze Pädagogik“ Oberhand hatte. 

Mit dem Ziel, den jungen Menschen auch nach der Schulentlassung eine Perspektive zu bieten, wurde kurz nach der Eröffnung im Jugendwerk Rietberg die deutschlandweit erste Pflegevorschule für Jungen ins Leben gerufen (bestand bis 1971) und zusätzlich wurden eine Tischlerwerkstatt sowie später eine Malerwerkstatt zu Ausbildungszwecken eingerichtet.

Von Anfang an gab es im Jugendwerk Rietberg – auch nach der Idee Father Flanagans – den Jungenrat, ein Gremium mit gewählten Vertretern, darunter auch den „Bürgermeister“. Dieser Rat traf demokratische Entscheidungen bezüglich verschiedener Angelegenheiten und Entwicklungen.

In einer Feierstunde wurde 1971 die Selbstverwaltungsordnung feierlich unterzeichnet von Dr. Alfons Wittig (Vors. des Jugendwerk Rietberg e.V.), Günter Klaas (Geschäftsführer des Jugendwerks), Karl-Heinz Koch (pädagogischer Leiter), Pater Ottokar (Seelsorger im Jugendwerk) und natürlich von dem gewählten Bürgermeister und seinen zwei Stellvertretern. Der damalige Richter von Rietberg hatte vorher die Selbstverwaltungsordnung ins Juristendeutsch übersetzt.

Aus den Protokollen und Berichten der ersten Jahre kann man die großen Probleme spüren, mit denen die Verantwortlichen zu kämpfen hatten… im Innen wie im Außen… Und auch Karl-Heinz Koch beschreibt in seinem Buch „Kinder des Schattens“ neben allem Idealismus die Grenzen.

Um die Gesamtsituation im Haus zu entlasten, wurde eine zusätzliche Gruppe für die 60 Jungen geschaffen. Dadurch konnte die Anzahl der Bewohner von 15 auf 12 reduziert und die Anzahl der Erzieher und Erzieherinnen von 3 auf 4 pro Gruppe erhöht werden.

Gleichzeitig entstanden Außenwohngruppen in Neuenkirchen, Mastholte, Schöning und Westenholz, um das blockhafte Leben im ehemaligen Kloster zu entzerren. Dadurch konnten die räumlichen Gegebenheiten im Hauptgebäude für Diagnose, Therapie, Heilerziehung und Elternarbeit genutzt werden. Zudem wurden ab diesem Zeitpunkt auch Mädchen im Jugendwerk aufgenommen.

Im Jahr 1978 ging die Trägerschaft an den „Verein für Jugendhilfe im Erzbistum Paderborn e.V.“, der später in „Jugendhilfe im Erzbistum Paderborn gemeinnützige GmbH“ umbenannt wurde, und das ehemalige Klostergebäude wurde dem Jugendwerk Rietberg auf Erbpachtbasis für 99 Jahre übergeben. 

Wachstum und Entwicklung

Das Jugendwerk Rietberg hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen. Unter der Leitung von Adolf Salmen seit 2016 und durch das große Engagement von mittlerweile über 240 Mitarbeitenden hat sich das Jugendwerk zu einer ausdifferenzierten Einrichtung der Erziehungshilfe entwickelt und ist damit Vorreiter in der modernen und wegweisenden Kinder- und Jugendhilfe.

Heute ist das Jugendwerk Rietberg eine intensivpädagogisch-therapeutische Einrichtung, die von allen als „visionärer Raum“ verstanden wird, in dem alle Bewohner:innen, Klient:innen und auch alle Mitarbeitenden  ihre „persönlichen 100 Prozent“ entfalten dürfen und können. Damit das gelingen kann, umfasst das Angebot zahlreiche Möglichkeiten der Unterstützung und Betreuung. Was dem Menschen zum Wachstum und zur individuellen Entwicklung dient, wird möglich gemacht. 

Somit bleibt das Jugendwerk Rietberg seinem Gründungsgedanken treu, nämlich ein „anderes“ Heim zu sein. Dieses Heim ist zu einer Facheinrichtung in Deutschland geworden, die wirklich als „anders und besonders“ gilt.